Volksbank-Vortragsveranstaltung 2018: Wolfgang Bosbach

Heute ist man schon Rebell, wenn man bei seiner Meinung bleibt

Neuenrade, 19. April 2018 Innere Sicherheit und Migration sind in der Gesellschaft stark diskutierte Themen. Worauf kommt es dabei jetzt in einem weltoffenen Deutschland an? Auf Einladung der Volksbank im Märkischen Kreis eG referierte im Rahmen der gestrigen Vortragsveranstaltung im vollbesetzten Neuenrader Kaisergarten mit CDU-Vollblutpolitiker Wolfgang Bosbach ein echter Experte und Praktiker zum Thema: Mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten – worauf es jetzt für ein weltoffenes Deutschland an-kommt.

Heiß war es an diesem sonnigen Apriltag. Nichtsdestotrotz war der Neuenrader Kaisergarten bis auf den letzten Platz besetzt. Fast 400 Zuhörer warteten geduldig auf Wolfgang Bosbach und bekamen genau das, was sie erwarteten: einen eloquenten Redner der binnen Minuten das gesamte Publikum mit einer Mischung aus Wortwitz und Sachverstand für sich eingenommen hat. „In meiner Arbeitsauffassung bin ich zu 100 Prozent Preuße. In meiner Lebenseinstellung bin ich zu 100 Prozent Rheinländer“, so fasste es Bosbach gleich zu Beginn zusammen. Eine Mischung, die beim Neuenrader Publikum ankam. „Mit Wolfang Bosbach konnte die Volksbank einen Gastredner gewinnen, der als langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages und unter anderem als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU eng die Themen Innen- und Rechtspolitik begleitete. Später übernahm er als Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages hierzu weitere Verantwortung“, sagte Volksbank-Vorstandssprecher Karl-Michael Dommes in der Begrüßungsansprache über den Gast.

Auch wenn in der Gesellschaft häufig von einem Überdruss in Sachen Politik die Rede ist, zeigen die geladenen Gäste aus Mitgliedern und Kunden der Volksbank ein anderes Bild. „Jeder Einzelne von Ihnen widerlegt durch seine Anwesenheit das Gerücht der Politikverdrossenheit“, erkennte Bosbach schnell. Vielleicht lag es auch am Redner, der von vielen auch als politischen Rebell bezeichnet wird. Bosbach: „Heute ist man ja schon Rebell, wenn man einfach bei seiner Meinung bleibt.“ Man sei in Deutschland viel zu kritisch mit dem eigenen Land, so seine Analyse. „Vergleichen Sie mal den 4. Juli in den USA mit dem 3. Oktober in Deutschland.“ Es dürfe hierzulande auch gerne etwas mehr Patriotismus geben. Ein Patriotismus in Form einer Heimatliebe, die aber niemanden in der Gesellschaft ausgrenzt. Warum auch nicht? Gerade die Deut-schen genössen vor allem im Ausland einen guten Ruf – viel besser als er in der eigenen Wahr-nehmung sei. Man beneide uns vor allem für die Stabilität. Zum einen in wirtschaftlicher Hin-sicht: „Von 68 Jahren Bundesrepublik hatten wir 62 Jahre Wirtschaftswachstum und nur sechs Jahre eine rückläufige Wirtschaftsleistung.“ Und zum anderen in politischer Hinsicht: „In den letzten 35 Jahren hatten wir nur drei Regierungschefs. Stabilität ist für uns in Deutschland so selbstverständlich wie nirgendwo sonst um uns herum.“ Genau diese Stabilität sei es aber auch, die immer schwieriger zu gewährleisten sei. Politisch sei es in Deutschland immer gelungen ein „Maß-und-Mitte-halten“-Prinzip zu verfolgen. Extreme Positi-onen – gleich welcher Couleur – waren kein Thema. Doch dies ändere sich derzeit. So erkenne er eine Entwicklung der Entsolidarisierung. So engagieren sich immer weniger in politischen Parteien, in den Kirchen oder auch Gewerkschaften. Dabei wäre gerade die entgegensetzte Entwicklung wichtig. Auf europäischer Ebene bedeute dies, dass Europa unbedingt eine Ein-heit bleiben müsse. „Um als Gewicht im Spiel der globalen Kräfte weiter eine Rolle spielen zu können“, bilanzierte Bosbach. Doch wirtschaftliche und politische Gewichte verschöben sich nachhaltig – und das zu Lasten der Europäischen Union. Problematisch sei dies, da gerade in unserer heutigen Zeit der weltweiten Migrationsbewegungen die Humanität ein entscheiden-der Faktor sei. Doch gerade jetzt zeige sich die Europäische Union zunehmend uneinig.

Flüchtlinge dürfen selbstverständlich auch weiterhin nach Deutschland kommen. Nur seien auch hierzulande die Möglichkeiten begrenzt. Wichtig sei es daher, dass man zunächst einmal wisse, woher die Menschen stammen. Fehlende Papiere seien jedoch ein großes Problem. „Klare Regeln und die Durchsetzung dieser Regeln sind die notwendige Grundlage, die wir verbessern müssen“, so Bosbachs Lösungsansatz.

Für Deutschland gelte es die eigene Wirtschaftskraft zu stärken. Denn die Deutschen seien nur in alten Technologien führend, in neuen jedoch nicht mehr. Daher Bosbach: „Unsere wichtigste Investition muss die Investition in Wissen und Bildung sein!“