Im Jubiläumsjahr Blick in die Zukunft – Prof. Dr. Sinn zu Gast beim VolksbankForum

Europa muss einen anderen Weg einschlagen, um erfolgreich zu sein

Meinerzhagen, 18. Oktober 2017 Dass er zurecht als unbequemer Wirtschaftsexperte gilt, stellte Prof. Dr. Hans-Werner Sinn am Dienstag eindrucksvoll unter Beweis: Die rund 300 Gäste beim VolksbankForum in der Meinerzhagener Stadthalle erlebten einen Vortrag, der eine düstere Zukunftsperspektive für Europa zeichnete – zumindest sofern sich an den aktuellen politischen Vorhaben nichts ändert.

„In unserem 100. Jubiläumsjahr ist es uns gelungen, mit Herrn Prof. Sinn einen ausgewiesenen Wirtschaftsexperten als Referenten zu gewinnen, der mit uns einen Blick in die Zukunft werfen wird“, eröffnete Vorstandssprecher Karl-Michael Dommes das diesjährige VolksbankForum. Der weltweit zu den Top-Ökonomen gehörende ehemalige Präsident des ifo-Institutes war auf Einladung der Volksbank nach Meinerzhagen angereist, um zum Thema „Die deutsche Wirtschaft, EU-Krise, Brexit und Macron: Was kommt nun auf uns zu?“ zu referieren.


Sinn, der in diesem Jahr auf exakt 50 Jahre Erfahrung in der Beobachtung und Erforschung volkswirtschaftlicher Aspekte zurückblickt, spann dabei den Bogen über historische Entwicklungen weltweit hin zur heutigen Situation der Europäischen Union und ihrer potenziellen Zukunft. Dabei zeigte er den Zuhörern aus unterschiedlichsten Perspektiven auf, was er für ein Kernproblem der EU aktuell und der sich abzeichnenden EU-Politik für die Zukunft sieht: Die heutigen EU-Länder tragen zu wenig Selbstverantwortung für ihre Finanzhaushalte. Durch Rettungsschirme für Länder und Banken, der politischen Zusi-cherung von sicheren Bankeinlagen oder auch den unbegrenzten Ankauf von Staatsanlei-hen schwacher EU-Länder durch die EZB sei seit der Finanzmarktkrise genau die falsche Richtung eingeschlagen worden. Wenn sich Staaten als Schuldner nicht mehr mit Gläubigern aus der Wirtschaft auseinandersetzen müssen, sondern dieses Verhältnis auf die politische Ebene verlagert wird, werden die damit verbundenen wünschenswerten Markteffekte komplett ausgehebelt und einer weiteren Verschuldung Tür und Tor geöffnet.


Den Brexit betrachtet Sinn als Katastrophe: Insbesondere ohne Neuverhandlung der EU-Vertragswerke würden die freihandelsorientierten Länder ihre Sperrminorität verlieren – und Deutschland darüber hinaus potenziell einen wichtigen Exportmarkt. Eine solche Neuverhandlung ist jedoch aktuell nicht in Sicht. Die des Weiteren daraus resultierenden politischen Antritte zu zukünftig mehr Zusammenhalt in der verbleibenden EU erachtet Sinn gleichermaßen als falsch: Insbesondere in den Plänen des französischen Präsidenten zu einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ sieht er klar eine weitere Spaltung Euro-pas. Vielmehr müsse es für EU-Länder, deren Wirtschaft sich auch absehbar nicht positiv entwickelt, eine Austrittsmöglichkeit aus dem Euro geben, um wieder eine Basis für wirt-schaftlichen Erfolg und damit auch eine Basis für eine stabile EU zu schaffen. „Wir brauchen eine offene Währungsunion […] und eine Konkursordnung für Staaten“, betont Sinn.


Nach dem Impulsvortrag vertiefte eine hochkarätig besetzte Podiumsrunde – moderiert von WDR-Moderatorin Anne Willmes – das Thema weiter. Volksbank-Vorstand Roland Krebs griff das Thema der Eigenverantwortung mit Blick auf die aktuell geplante Bankenunion auf, in deren Rahmen auch ein gemeinsamer, europaweiter Einlagenschutz ge-schaffen wird: „Damit werden wir als regionale, stabile und im klassischen Bankgeschäft solide aufgestellte Bank dazu gezwungen, nahezu unüberschaubare Risiken in Geschäfts-modellen anderer Banken europaweit mitzutragen. Das ist nicht hinnehmbar.“


SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat und Reinhard Hoffmann, Geschäftsführer der Gerhardi Kunststofftechnik GmbH, betonten, dass für Unternehmen insbesondere stabile und planbare Verhältnisse erforderlich sind. Denn auch wenn man aus politischer Sicht derzeit in Europa weiterhin auf weniger Selbstverantwortung setzt, spiegelt dies in keinster Weise die Einstellung des regionalen Mittelstandes wider – im Gegenteil: Hier sei man klar auf höchste Qualität und auf das Verhalten als „ehrbarer Kaufmann“ ausgerichtet. Die aktuellen Herausforderungen, die insbesondere im Fachkräftemangel und in der Infrastruktur bestehen, gilt es aber auch mit den richtigen politischen Weichenstellungen zu begleiten. Nur so könne der aktuelle Erfolgskurs, auf dem sich die deutsche Wirtschaft anhaltend befindet, beibehalten werden.

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