Volksbank im Märkischen Kreis präsentiert den „Lagebericht Mittelstand 2015“

Bürokratie und Fachkräftemangel sind Herausforderungen

Lüdenscheid, 30. Juni Die Stimmung der heimischen Unternehmen ist anhaltend gut. Das belegt der „Lagebericht Mittelstand 2015“ der Volksbank im Märkischen Kreis. Auch die Zukunftsprognosen sind vielversprechend: Gut zwei Drittel der Unternehmen planen für das kommende Halbjahr Investitionen. Probleme bereiten den Mittelständlern hingegen Bürokratie, Fachkräftemangel sowie Lohn- und Gehaltskosten. Diese Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2015 präsentierte die Bank kürzlich in der „Phänomenta“ in Lüdenscheid Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung und diskutierte diese auch mit ihnen.

122 mittelständische Unternehmen aus dem Geschäftsgebiet der Volksbank im Märkischen Kreis gaben ihre Einschätzung zu den wirtschaftlichen Entwicklungen und Erwartungen für die Zukunft ab.
Der Großteil des heimischen Mittelstands – immerhin 88 Prozent – beurteilt seine Geschäftslage mit gut und sehr gut. Als eher schlecht / schlecht bewerten sie zehn Prozent. Damit deckt sich die Einschätzung der Mittelständler der Region mit der deutschlandweiten Beurteilung in diesem Punkt. Gegenüber der Vorjahresbefragung blicken die Unternehmen weniger optimistisch in die Zukunft. Rechnete 2014 noch rund die Hälfte mit einer geschäftlichen Verbesserung, so ist es nun nur noch gut ein Drittel. Auf der anderen Seite geht derzeit kaum jemand von einer Verschlechterung der Lage im kommenden Halbjahr aus. Mit nur drei Prozent der Befragten befürchten noch weniger als im Vorjahr – damals waren es sieben Prozent – eine Eintrübung. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionsausgaben im vergangenen Halbjahr erhöhten, war mit 39 Prozent hoch. Das ist eine minimale Verschiebung gegenüber dem Ergebnis 2014, wo noch 40 Prozent ihre Investitionstätigkeit steigerten. Dagegen berichteten aktuell elf Prozent der Mittelständler von gesunkenen Investitionsausgaben – vor einem Jahr waren es acht Prozent. Im längerfristigen Vergleich
ist die Investitionsfreude aber immer noch überdurchschnittlich. Die gute Stimmung und die günstigen Finanzierungsbedingungen sind Gründe, dass in den nächsten sechs Monaten 69 Prozent der Unternehmen Investitionsprojekte durchführen wollen.

Die Dynamik des Beschäftigungswachstums bei den mittelständischen Unternehmen im Geschäftsgebiet der Volksbank im Märkischen Kreis bleibt hoch. 24 Prozent stellten zusätzliches Personal ein, 13 Prozent verringerten die Zahl ihrer Beschäftigten. In den nächsten sechs Monaten dürfte sich die Dynamik am heimischen Arbeitsmarkt allerdings abschwächen, denn nur 16 Prozent der Befragten aus der Region wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen und immerhin denken elf Prozent über einen Personalabbau nach. Eine Belastung sehen die Mittelständler in den Lohnkosten. Sie werden von 44 Prozent als problematisch eingestuft. 2014 waren es noch 29 Prozent. Weiter steigend ist die Zahl derjenigen, die einen Mangel an Fachkräften beklagen: 2013 waren es noch 27 Prozent, im Vorjahr 38 Prozent und nun ist ein weiterer Prozentpunkt hinzugekommen. Das macht Platz drei auf der Liste der aktuellen Problemfelder. Insbesondere die Problemfelder waren Thema einer umfangreichen Diskussion der anwesenden Vertreter aus Politik und Verwaltung:

SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone glaubt, dass politische Krisen in der Welt Deutschland zunehmend betreffen. Sie sieht darin aber auch eine Chance: Flüchtlinge – zum Beispiel aus Syrien – seien oft gut ausgebildet und können für den Arbeitsmarkt wertvoll sein. Zudem müsse mehr in Ausbildungsmöglichkeiten investiert werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Auch Schulabbrecher müssten abgeholt werden und eine zweite Chance erhalten.

Bei der Frage nach den drängendsten Problemfeldern hat sich nach und nach die Bürokratie an die Spitze gearbeitet. Für 46 Prozent der heimischen Unternehmen ist sie eine Belastung. Schon 2014 sahen 39 Prozent dieses Thema problematisch. Zuvor waren Vorschriftenflut und Regelungswut über Jahre ein häufig genanntes Ärgernis, mit Nennungen von rund 30 Prozent stand die Bürokratie aber nicht im Vordergrund. 85 Prozent aller Befragten sagen, dass der Aufwand in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist – für Berichte und Dokumentationen (85 Prozent), Arbeitsschutz- und Arbeitszeitregelungen (58 Prozent) sowie Steuern (33 Prozent). Für 92 Prozent bedeutet der bürokratische Aufwand eine Belastung. Dafür machen die Unternehmen die öffentliche Hand (70 Prozent), Anforderungen von Abnehmern (54 Prozent) und der Sozialversicherung (43 Prozent) verantwortlich. Als überflüssig wurden oft die neuen Regelungen zum Mindestlohn bezeichnet.

Landrat Thomas Gemke bestätigte den Trend: „Die Bürokratie wird auch für uns immer schlimmer.“ Beispielsweise koste das neue Vier-Augen-Prinzip im Jobcenter Geld, das anderswo dann fehle. Er warnte: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht irgendwann nur noch selbst verwalten.“ Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas macht für diese Entwicklung Strömungen mit verantwortlich, die dazu führen, dass Probleme, die in Einzelfällen auftreten, als Basis für eine umfassende Regelungswut herangezogen würden. Immer mehr Dinge würden geregelt und die Eigenverantwortung des Einzelnen wird mit einer „Vollkasko-Mentalität“ geschützt, die jedoch nicht zu bezahlen ist.

CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Matthias Heider nannte die Bürokratie „ein deutsches Sonderproblem“: Nirgendwo in Europa werde so viel so intensiv geregelt. Auf Bundesebene setzt er sich aktuell maßgeblich dafür ein, dass die Regelungsdichte zwingend abnehmen muss. Denn mit immer mehr Regelungen würden zu viele Chancen „stranguliert“. Zum Beispiel bedeute das Beauftragtenwesen in Unternehmen zu viel Belastung. Mit der Verkehrsinfrastruktur sind über 60 Prozent der Unternehmen aus dem Geschäftsgebiet der Volksbank im Märkischen Kreis zufrieden oder sehr zufrieden. Ein nicht zu vernachlässigender Anteil von 30 Prozent zeigte sich aber weniger zufrieden, weitere acht Prozent unzufrieden mit der Verkehrsanbindung. Gründe für die Unzufriedenheit waren vielfach schlechte Straßenzustände und die fehlende Anbindung an die A45. Landrat Thomas Gemke sagte, dass die Erweiterung der Autobahn 45 als „Lebensader
der Region“ immer schwerer werde, da „Einzelbedenkenträger“ immer mehr Rechte bekämen
und dadurch Interessen vieler zu stark in den Hintergrund rücken oder notwendige Projekte unverhältnismäßig verzögern. Mit der Anbindung an das Internet sind 66 Prozent der Unternehmen zufrieden und sehr zufrieden. Weniger zufrieden oder sehr unzufrieden – vor allem mit der Geschwindigkeit – sind aber 33 Prozent. Dr. Matthias Heider hält eine schnelle Datenanbindung für ein zentral wichtiges Thema. Geld aus Frequenzversteigerungen werde dafür genutzt. Petra Crone sagte, dass der Breitbandausbau nicht zu 100 Prozent erfolgen könne. Zudem müssten viele „Player“ mitmachen. Claus Hegewaldt von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer erläuterte, die „Industrie 4.0“ habe massive Auswirkungen auf den Qualifikationsbedarf von Menschen, auf Produktionsketten und Transparenz im Produktionsprozess. Dies wiederum erfordere Datenstrecken, die große Datenvolumen schnell versenden können. Durch die Präsentation der Umfrageergebnisse gab der Mittelstand den Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung indirekt Arbeitsaufgaben mit auf den Weg. Der „Lagebericht Mittelstand 2015“ steht auf der Internetseite der Volksbank im Märkischen Kreis zum Download bereit.

Für weitere Informationen oder Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Volksbank im Märkischen Kreis eG, Sauerfelder Straße 5, 58511 Lüdenscheid
Lavinia Heße (Direktorin Vertriebsmanagement)
Telefon: 02351 177-1750, E-Mail: lavinia.hesse@volksbank-im-mk.de